Worum es geht
Das Sommer-Update liegt vier Wochen zurück, und die Werkstatt war laut. Ein fertiges Spiel, eine App in öffentlicher Vorschau, zwei Projekte im Aufbau, drei Odoo-Module im offiziellen App Store — dazu Updates für zwei Desktop-Apps und ein Stück Infrastruktur, das man nur merkt, wenn es fehlt.
Erst das Neue, dann die Werkstatt.
Neu: Chessplosion 1.0 — Schach, und wer schlägt, darf werfen
Schach ist ein gelöstes Problem, es gibt tausend Apps dafür, und die meisten unterscheiden sich nur im Brett. Chessplosion hat deshalb einen zweiten Modus, der die Partie kippt, ohne an den Regeln zu drehen: Wer eine Figur schlägt, darf sie in derselben Runde vom eigenen Rand aufs Brett werfen. Was dabei umfällt, gilt als geschlagen — auch die eigenen Figuren. Kein Munitionslager: Wer nach dem Schlagen nicht wirft, verliert das Wurfrecht, sonst hortet der Führende Geschosse und die Partie kippt endgültig.
Geworfen wird aus Abstand hinter der eigenen Grundlinie. Genau daher kommt die Schwierigkeit — derselbe kleine Winkelfehler schlägt über die Distanz am Ziel viel stärker durch. Die drei Schwierigkeitsgrade ändern nicht eine Zahl, sondern wie viel du siehst: ganze Flugbahn, halbe Flugbahn, nur noch die Abwurfrichtung — auf der höchsten Stufe kommt Seitenwind dazu. Ein umgekippter König beendet die Partie.
Wer lieber normal spielt, lässt den Modus aus: vollständiges Schach mit Rochade, En Passant, Umwandlung und Remis-Regeln, zu zweit an einem Gerät oder gegen eine selbst gebaute KI in drei Stärken — Alpha-Beta-Suche statt fertiger Engine, weil Stockfish unter GPL steht und mit den App-Store-Bedingungen kollidiert. Auf den unteren Stufen greift sie absichtlich manchmal daneben; das fühlt sich menschlicher an als eine Engine, die immer denselben Fehler macht. Werfen kann sie auch.
Alles läuft lokal, kein Account, kein Server. Version 1.0 für macOS steht als signierter und notarisierter Download bereit, Windows, iOS und Android folgen.
Neu in öffentlicher Vorschau: BalaneDisk
Der Rechner wird langsam, die Platte voll, irgendwas funkt im Hintergrund — und das Einzige, was das System dazu sagt, ist ein Balken „Sonstiges: 214 GB". BalaneDisk macht das Innere sichtbar. Das Sonar zeigt jeden laufenden Prozess als Marke auf einem Radar, nach Herkunft in Sektoren geteilt, der Abstand zur Mitte ist der Arbeitsspeicher. Die Festplatten-Ansicht misst, wohin der Platz ging — inklusive der versteckten Volumes, die der Finder nie zeigt, und offen ausgewiesen, was sich nicht zuordnen ließ. Eine Weltkarte zeigt, mit welchen Ländern deine Programme reden, mit Länder-, Betreiber- und Tracker-Datenbanken komplett in der App: Nachzusehen, wohin dein Rechner sendet, verrät nie, wo du bist.
Ein Prinzip gilt überall: BalaneDisk löscht nichts. Es misst, es empfiehlt, du entscheidest. Das Einzige, was es je mit einer Datei tut, ist sie auf deine Bestätigung in den Papierkorb zu verschieben, mit jedem Pfad vor Augen.
Seit dem 23. Juli sind sechs Vorschau-Versionen erschienen, zuletzt 0.1.5. Was dazukam:
- →Die App sagt jetzt Bescheid. Eine Platte, die am Donnerstag voll ist, will man am Montag wissen. Die Hinweise sind absichtlich leise: nichts zwischen 22 und 8 Uhr, nie dieselbe Art zweimal am Tag, höchstens einer alle vier Stunden — und gar keiner, solange das Fenster offen ist.
- →Der Verlauf redet. Tage des Mitschreibens ergeben eine Aussage: ein Ordner, der seit neun Tagen wächst, Gigabytes, die im Schlaf verschwunden sind, eine Woche stetiger Verlust mit Datum am Ende. Aufgezeichnet wird ab sofort für alle — wer später abonniert, erfährt trotzdem noch von letzter Woche.
- →Die Speicherkarte misst mit Länge statt Farbe. Zwanzig Gigabyte und acht Megabyte sahen vorher fast gleich aus. Jetzt sind es sortierte Zeilen, deren Balkenlänge die Messung ist; der lange Rest wird zu einer aufklappbaren Zeile summiert statt als Splitter gezeichnet.
- →Start versteckt beim Anmelden, damit die Aufzeichnung keine Lücken hat. Fenster schließen beendet die App nicht mehr, sondern legt sie in die Menüleiste.
Jeder Befund bleibt kostenlos — auch die Warnung, bevor die Platte volläuft. Das Abo kauft kein Feature, sondern Erinnerung: ohne Abo zwei Stunden Verlauf, mit Abo der ganze Tag und weiter zurück, 4,99 € im Monat oder 24,99 € im Jahr. Läuft für macOS und Windows.
Im Aufbau: Balane Desk und usable.software
Balane Desk stellt komplette Fenster-Setups wieder her. Du baust deinen Schreibtisch einmal echt auf — die richtigen Apps offen, jedes Fenster da, wo du es brauchst — und drückst „Capture". Ab dann startet ein Klick die Apps und schiebt jedes Fenster an seinen Platz, ein Profil pro Arbeitskontext. Kein Config-File, kein Regel-Editor: eingerichtet wird durch Hinschieben. Stöpselst du einen Monitor ab, landet kein Fenster im Nichts — es wird auf die vorhandenen Bildschirme geholt. Und die App meldet, wie viele Fenster wirklich platziert wurden, nicht wie viele es hätten sein sollen. Für macOS und Windows, aktuell in Entwicklung.
usable.software geht eine Nummer größer: Betriebssoftware zur Miete, monatlich kündbar. Es wird nichts entwickelt und nichts generiert — du wählst deinen Bereich und klickst im Konfigurator die Module an, die dein Betrieb wirklich braucht: Baustellen, Einsatzplanung, Aufmaß, Bautagebuch, Mängel, Geräte, Team-Chat. Der Preis rechnet live mit, eine gebrandete Vorschau zeigt dein System vor der Bestellung. Jeder Nutzer bekommt Oberfläche und Aufgaben in seiner Sprache, Chat-Nachrichten werden automatisch übersetzt — das ist der Punkt, an dem die Kolonne und die Bauleitung zum ersten Mal dieselbe Information haben. Gehostet unter deiner Adresse oder als Container auf deiner Infrastruktur, Daten jederzeit exportierbar.
Drei Odoo-Module, kostenlos unter LGPL-3
Alle drei sind im offiziellen Odoo App Store für Odoo 19 gelistet. Wir haben sie für uns selbst gebaut und nutzen sie täglich.
CRM Direct Email behebt eine Kleinigkeit, die täglich weh tut: In Odoo Community bleibt das An-Feld leer, wenn du aus einem Lead heraus schreibst — der Mail-Composer kennt nur Follower. Also Kontakt als Follower eintragen, Composer neu öffnen, dann erst schreiben. Bei jedem Lead. Das Modul löst den hinterlegten Kontakt auf und trägt ihn als Empfänger ein. Eine Python-Datei, nichts zu konfigurieren, keine Datenbankänderung.
Cold Email & Follow-up Automation baut den fehlenden Outbound-Workflow ins CRM: Kampagnen aus mehreren Vorlagen, jede Stufe mit eigener Wartezeit, zu jeder Folge-Mail eine native Odoo-Aktivität im Feed des zuständigen Reps. Jeder versendet über seine eigene Adresse, eigene Signatur, eigener SMTP-Server — der Empfänger sieht einen Menschen statt info@. Antworten erkennt das Modul selbst: Sequenz stoppt, Status springt auf „Replied". Dazu über 30 Platzhalter mit Vorab-Check auf leere Felder, „Do Not Contact" auf drei Ebenen mit Kaskade von der Firma auf alle Kontakte, und eine Warteschlange, die ein Cronjob im Minutentakt abarbeitet. Ersetzt Lemlist, Apollo Sequences oder Outreach.io — ohne zweites Tool, ohne Sync, ohne dass Adressen dein Odoo verlassen.
Apollo Connector bringt Apollo.io-Kontakte sauber ins Odoo, per CSV mit jedem Tarif oder per API ab Professional mit stündlichem, täglichem oder wöchentlichem Sync. Jedes Feld landet, wo es hingehört — samt Anreicherung, für die du bezahlt hast: Seniorität, Abteilungen, Keywords, Technologien, Umsatz, Finanzierungsrunden. Firmen werden als übergeordnete Datensätze angelegt, Kontakte darangehängt. Dubletten erkennt es an Apollo-ID oder E-Mail und fragt vor dem Schreiben.
Die Werkstatt: was aktualisiert wurde
WindowNote 0.9.0 und 0.9.1. Die erste öffentliche Version kam am 22. Juli, die zweite am selben Abend hinterher — und die schließt die eigentliche Lücke: Unter Windows erscheinen die Zettel zum ersten Mal überhaupt. Vorher wurden sie angelegt, gespeichert und nirgends angezeigt. Dazu ein Symbol im Infobereich, Fenster-Schließen versteckt statt beendet, „Mit Windows starten". Auf dem Mac merkt sich ein Tab-Zettel jetzt das Fenster und seinen Platz im Tab-Streifen statt nur den Titel — einem Link zu folgen kostet die Notiz nicht mehr, auch über einen Neustart hinweg. „Pause" hält die Zettel jetzt tatsächlich an, und Einstellungen → Diagnose kopieren gibt aus, welche Fenster WindowNote gerade sieht. Warum es die App überhaupt gibt, steht hier.
FlowVisual 1.0.1 bis 1.0.3. Drei Wartungsreleases seit dem 22. Juli, macOS signiert und notarisiert, Windows-Installer jeweils daneben. Dazu ein neues Icon. Der Rest der Geschichte steht im Sommer-Update.
Icons. GridBar trägt seit 1.4.1 ein neues Graphite/Teal-Design, SendGuard ebenfalls ein neues.
Unter der Haube. Die Download-Knöpfe zeigen jetzt immer auf die jüngste Version statt auf ein festgenageltes Release — was einmal verlinkt ist, bleibt aktuell. Die geladenen Apps fragen beim Start einmal nach der aktuellen Versionsnummer und zeigen im Menü einen Hinweis, wenn etwas Neueres da ist. Kein Konto, keine Messung, keine automatische Installation hinter deinem Rücken.
Zum Schluss
Ein Spiel, ein Diagnosewerkzeug, zwei Betriebssysteme, drei Odoo-Module — der rote Faden ist derselbe wie immer: läuft lokal, kein Account-Zwang, keine Daten, die wir auswerten. Und bei allem, was misst, gilt die BalaneDisk-Regel: messen, erklären, entscheiden lässt du.


